Wer mit dem PelvicTool trainiert, stellt rasch fest, dass das Gerät sensitiv auf kleinste Veränderungen der Sitzposition oder auch auf Husten und Sprechen reagiert. Diese hohe Empfindlichkeit des Sensorsystems ist für ein wirkungsvolles Biofeedback-Training zwingend nötig. Die Frage nach der Möglichkeit des Schummels lässt sich deshalb mit einem Ja und einem Nein beantworten: Ja, weil das PelvicTool kleinste Bewegungen des Oberkörpers, der Beine und des Gesässes registriert und auf dem Smartphone anzeigt. Nein, weil die Benutzer durch das Feedback-Verfahren nach kurzer Zeit lernen, sich nicht zu bewegen, still zu sitzen, nicht zu sprechen und nur die Beckenbodenmuskulatur anzuspannen und zu entspannen. Wichtig beim Feedbackverfahren ist, dass die Patienten sich auf die angezeigten Bewegungen im Display des Smartphones konzentrieren. Sie sehen genau, was sie machen. Das „Schummelproblem“ tritt deshalb, wenn überhaupt, nur selten und in den ersten Trainingseinheiten auf.
Ist es wichtig, mit voller Kraft zu trainieren?
Gelegentlich versuchen Patienten, die Beckenbodenmuskulatur mit viel Kraft anzuspannen. Sie spannen die Bauchmuskeln, die Oberschenkel, die Gesässmuskeln an und bewegen den Oberkörper. Es wird empfohlen, zunächst ruhig zu sitzen und sich nur auf die Schließmuskulatur zu konzentrieren, wie z. B. beim Urinieren. Männer können auch versuchen, ihren Penis zu bewegen. Gerade weil das Gerät sehr kleine Bewegungen erkennt, kann man so lernen, die Beckenbodenmuskulatur gezielt zu bewegen. Erst dann empfiehlt es sich, mehr Kraft aufzubringen.
Da die Beckenbodenmuskulatur mit dem ganzen Körper verbunden ist und z.B. auch durch Husten, Niesen, Sprechen und Körperbewegungen beeinflusst wird, müssen auch diese Bewegungen angezeigt werden. Denn in diesen Fällen bewegt sich die Muskulatur. Es ist nicht möglich, diese Einflüsse durch eine Halterung zu eliminieren. Im Gegenteil, eine Halterung würde eine Abstützung der Patienten ermöglichen und damit die Kraftübertragung beeinflussen. Aus diesem Grund hat der Sitz des PelvicTools keine Stützen oder Lehnen. Ebenso ist es nicht sinnvoll, sich an einem Griff festzuhalten, damit nicht über die Arme und den Körper Kräfte auf den Beckenboden ausgeübt werden.
Für Testmessungen in der Physiotherapie wird das folgende Vorgehen empfohlen:
- Trainieren mit leichter Kleidung wie Jogginghose oder Leggins
- Ruhiges, stabiles Sitzen während dem Testprogramm:
– Gesäss ruhig
– Rücken gerade
– keine Bewegungen mit Oberkörper, Beinen, Armen - Kein Sprechen, Husten, Lachen.
- Konzentration auf die Spannung und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur entsprechend dem Testprogramm.
- Natürlich kann man abbrechen und neu beginnen, wenn eine Störung auftritt.
Wie oben erwähnt, ist es rein physikalisch unmöglich all die «störenden» Bewegungen zu isolieren, zu eliminieren oder durch z.B. zusätzlich Sensoren zu kompensieren (direkt oder rechnerisch). Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass wegen der Komplexität des Beckenbodens und der Verschiedenheit der Gesässpartien, die scheinbaren «Störeinflüsse» nicht substanziell reduziert werden können. Auch eine Fixierung des Körpers des Patienten hilft nicht weiter. Dies hat grundlegende Auswirkung auf Vergleichsmessungen bzw. die Fortschrittskontrolle. Die Lösung hierzu liegt in Mehrfachmessungen und ein wenig Statistik. Unsere Messungen zeigen ausnahmslos, dass man so den Trainingsfortschritt gut erkennen und darstellen kann.








