Ein gut funktionierender Beckenboden muss nicht nur kräftig sein. Genauso wichtig ist, dass sich die Muskulatur gezielt anspannen, koordinieren und wieder entspannen lässt. Doch wie erkennt man, ob diese Abläufe richtig funktionieren?
Ein Praxisbericht von Elke Sylvia Vogt, Physiotherapeutin, Heilpraktikerin und Osteopathin in der Praxis KörperRaum™ in Illertissen
In der Praxis KörperRaum™ in Illertissen verbindet das Team aus Physiotherapeuten, Heilpraktiker und Osteopathen verschiedene diagnostische und therapeutische Verfahren, um die Beckenbodenfunktion bei Frauen und Männern differenziert zu beurteilen.
Neben der ultraschallgestützten Beckenboden- und Bauchwanddiagnostik, klinischen Untersuchungsverfahren und der osteopathischen Befundung kommt dabei auch das Alonea PelvicTool als Bestandteil der funktionellen Beckenbodendiagnostik und des gezielten Trainings zum Einsatz.
Warum Beckenbodentraining nicht nur eine Frage der Kraft ist
Viele Menschen verbinden Beckenbodenbeschwerden zunächst mit einer zu schwachen Muskulatur. Doch nicht immer liegt die Ursache in einer verminderten Muskelkraft.
Aus der therapeutischen Praxis von KörperRaum™ zeigt sich, dass manche Patientinnen und Patienten ihren Beckenboden zwar bewusst anspannen können, jedoch Schwierigkeiten haben, die Muskulatur anschliessend wieder vollständig zu entspannen. Bei anderen ist die Anspannung grundsätzlich möglich, lässt sich aber bei alltäglichen Bewegungen oder körperlicher Belastung nicht ausreichend koordinieren.
Auch das funktionelle Zusammenspiel mit der Atmung, dem Zwerchfell, der Bauchwand und weiteren Körperstrukturen kann für die Beckenbodenfunktion von Bedeutung sein.
Deshalb verfolgt das Team von KörperRaum™ einen klaren Grundsatz: Erst die Funktion verstehen, dann gezielt behandeln und trainieren.
„Wenn Patientinnen und Patienten zum ersten Mal sehen und spüren, wie ihr Beckenboden wirklich arbeitet – im Ultraschall, in der Wahrnehmung und im Biofeedback des PelvicTool – entsteht ein neues Verständnis für den eigenen Körper.“
Drei Bausteine für ein besseres Verständnis der Beckenbodenfunktion
Bei KörperRaum™ werden verschiedene diagnostische und therapeutische Verfahren miteinander kombiniert. Ziel ist es, nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern mögliche funktionelle Zusammenhänge zwischen Beckenboden, Atmung, Bauchmuskulatur, Haltung und weiteren Körperregionen zu erkennen.
1. Biofeedback mit dem PelvicTool: Anspannung und Entspannung sichtbar machen
Bei KörperRaum™ ist das PelvicTool ein fester Bestandteil der funktionellen Beckenbodendiagnostik. Es unterstützt die Beurteilung der muskulären Ansteuerung, Koordination sowie des Anspannungs- und Entspannungsverhaltens und liefert damit wertvolle Informationen für die individuelle Therapie- und Trainingsplanung. Auch Veränderungen im Trainingsverlauf lassen sich anhand der Biofeedback-Signale nachvollziehen.
Das PelvicTool misst jedoch keine isolierte Muskelkraft und ersetzt keine klinische Untersuchung.
2. Ultraschall und klinische Untersuchung: Beckenbodenfunktion differenziert beurteilen
Während das Alonea PelvicTool Druckveränderungen als Biofeedbacksignal sichtbar macht, liefert der Ultraschall bildgebende Informationen über anatomische Strukturen und funktionelle Abläufe.
Bei KörperRaum™ ist die ultraschallgestützte Beckenbodenfunktionsdiagnostik ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung bei Frauen und Männern. Sie ermöglicht es, Bewegungen sowie das Anspannungs- und Entspannungsverhalten des Beckenbodens sichtbar zu machen und die muskuläre Ansteuerung funktionell zu beurteilen.
Ergänzend untersucht das Team im Rahmen der sonografischen Bauchwanddiagnostik die Bauchmuskulatur, insbesondere die Linea alba, eine mögliche Rektusdiastase sowie das funktionelle Verhalten der Bauchwand unter Belastung. Dadurch können auch mögliche funktionelle Zusammenhänge zwischen Bauchwand und Beckenboden in die weitere Therapieplanung einbezogen werden.
Weitere wichtige Informationen können manuelle Untersuchungsverfahren liefern. Je nach Beschwerdebild und individueller Fragestellung ermöglichen die vaginale Palpation bei Frauen sowie die rektale Palpation bei Frauen und Männern eine ergänzende Beurteilung von Muskelspannung, Kontraktionsfähigkeit, Entspannungsverhalten, möglichen Schmerzpunkten und der Koordination der Beckenbodenmuskulatur. Diese intimen Untersuchungen erfolgen ausschliesslich nach entsprechender Aufklärung und ausdrücklicher Einwilligung.
Aus Sicht des Teams von KörperRaum™ liegt der besondere Nutzen in der Kombination verschiedener Untersuchungsverfahren. Ultraschall, klinische Untersuchung und PelvicTool-Biofeedback erfassen unterschiedliche Aspekte der Beckenbodenfunktion und ergänzen sich zu einer differenzierten funktionellen Beurteilung. Diese bildet eine wichtige Grundlage für eine individuell abgestimmte Therapie und ein gezieltes Beckenbodentraining.
3. Osteopathie und intravaginale Osteopathie: Funktionelle Zusammenhänge erkennen und gezielt behandeln
Die osteopathische Untersuchung bei KörperRaum™ betrachtet den Beckenboden nicht isoliert, sondern berücksichtigt mögliche funktionelle Wechselwirkungen mit dem Becken, der Wirbelsäule, dem Zwerchfell, der Atmung und den umgebenden Gewebestrukturen.
Zum therapeutischen Konzept von KörperRaum gehört auch die intravaginale Osteopathie. Sie ermöglicht eine gezielte manuelle Untersuchung und Behandlung bestimmter Beckenbodenstrukturen, beispielsweise bei schmerzhaften Muskelspannungen, Narbenbeschwerden nach Geburtsverletzungen oder funktionellen Einschränkungen.
Dabei steht nicht allein die Behandlung einzelner Symptome im Vordergrund, sondern das Verständnis möglicher funktioneller Zusammenhänge und deren Bedeutung für die individuellen Beschwerden.
Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse entscheidet das Team, welche therapeutischen Massnahmen im jeweiligen Fall sinnvoll sein können. Intime Untersuchungen und Behandlungen erfolgen ausschliesslich nach entsprechender Aufklärung und ausdrücklicher Einwilligung.
Beckenbodenbeschwerden betreffen Frauen und Männer
Die funktionelle Beckenbodendiagnostik bei KörperRaum™ richtet sich ausdrücklich an Frauen und Männer.
Bei Frauen stehen beispielsweise Beschwerden nach Schwangerschaft und Geburt, Harninkontinenz, Senkungsbeschwerden, Schmerzen im Beckenbereich sowie Schwierigkeiten bei der gezielten Anspannung oder Entspannung der Beckenbodenmuskulatur im Vordergrund.
Bei Männern kann eine funktionelle Beckenbodenuntersuchung unter anderem bei chronischen Beckenschmerzen (Chronic Pelvic Pain Syndrome, CPPS), Damm- und Leistenschmerzen, Erektionsstörungen, Harninkontinenz sowie Beschwerden nach Prostataoperationen sinnvoll sein. Auch bei Schwierigkeiten mit der bewussten Ansteuerung oder Entspannung des Beckenbodens
können funktionelle Auffälligkeiten eine Rolle spielen.
Welche diagnostischen Verfahren zum Einsatz kommen, entscheidet das Team von KörperRaum™ individuell anhand der Beschwerden, der Anamnese und der jeweiligen klinischen Fragestellung.
Fazit: Erst verstehen, dann gezielt trainieren
Das Behandlungskonzept von KörperRaum™ verbindet verschiedene diagnostische und therapeutische Verfahren, um die Beckenbodenfunktion differenziert zu beurteilen und mögliche funktionelle Zusammenhänge sowie individuelle Beschwerdeursachen besser zu verstehen.
Die ultraschallgestützte Beckenboden- und Bauchwanddiagnostik, die vaginale und gegebenenfalls rektale Palpation sowie das Alonea PelvicTool-Biofeedback liefern unterschiedliche, sich ergänzende Informationen. Die osteopathische Untersuchung erweitert den Blick auf mögliche funktionelle Zusammenhänge mit weiteren Körperregionen.
Auf Grundlage der erhobenen Befunde können Therapie und Beckenbodentraining individuell abgestimmt werden.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Nach eigenen Angaben kooperiert KörperRaum™ unter anderem mit dem Beckenbodenzentrum der Universitätsfrauenklinik Ulm im Bereich der Pessartherapie.
Der zentrale Gedanke: Erst die Funktion verstehen, dann gezielt behandeln und trainieren.
Kontakt
KörperRaum™ Vogt
Praxis für Osteopathie, Naturheilkunde & Physiotherapie
Hauptstrasse 17 – 89257 Illertissen
Telefon: 07303.901594
Instagram: @osteopathie.illertissen
«Beckenbodenbeschwerden bei Männern beginnen oft viel früher, als viele denken – und nicht erst mit Prostataproblemen oder zunehmendem Alter. Rückenschmerzen, Spannungen in der Leiste, Hüftbeschwerden oder Veränderungen der sexuellen Funktion können erste Hinweise auf eine gestörte Beckenbodenfunktion sein. Deshalb ist es wichtig, auch bei Männern die Zusammenhänge zwischen Atmung, körperlicher Belastung und Muskelspannung zu betrachten und die Wahrnehmung des Beckenbodens gezielt zu fördern.»
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